Scams werden da möglich, wo Vertrauen konstruiert wird. Es wird ein Verhältnis erschaffen, das gegenseitigen Nutzen verspricht. Fiktionen werden genutzt, um Authentizität aufzubauen und Solidarität zu einer Person oder einer Sache zu erzeugen. Die kulturelle und örtliche Entfernung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Durch die Verwobenheit von Fakten und Fiktion entstehen alternative Realitäten. Die Vorstellungskraft der involvierten Parteien trägt dazu bei, dass der Scam echt und somit erfolgreich wird.

Sowohl im Analogen als auch im Digitalen führt die Körperlosigkeit der Kommunikation zu einer Verstärkung der Einbildungskraft der (gescammten) Personen. In digitalen Anwendungen dient das User Interface als Angel- und Orientierungspunkt. Aus einer gestalterischen Perspektive kann man behaupten, dass je effizienter und authentischer Interaktionselemente gestaltet werden, die daraus erzeugten alternativen Realitäten bei Betroffenen eine gesteigerte Immersion auslösen. Scams können somit erfolgreicher in der Ausführung werden.

Durch das User Interface lassen sich diese erzeugten Welten steuern, formen und anpassen. Die neuen technologischen Erweiterungen, wie VR, ermöglichen eine immer stärker, vermeintlich realitätsgetreue Nachahmung, welche ein Erkennen des Scams weiter erschwert. Diese Räume der Transformation, in dem die produzierten Erzähl- und Kunstformen und die Beziehung zur Zeitgeschichte, zur Kunst, zu verschiedenen Darstellungssystemen und der Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen abgebildet werden, sind durch die Möglichkeiten der Vernetzung ein Querschnitt unterschiedlicher Wertesysteme. Ein Erfolgsgarant der Scammer ist deren Agilität, sich immer wieder aufs Neue diesen Systemen anzupassen.

Es ist anzunehmen, dass sie auch in Zukunft neu entstehende Möglichkeiten nicht ungenutzt lassen und sich die Schnittstelle, das Interface, durch Zweckentfremdung, Umstrukturierung, Neuordnung und Neubewertung zu eigen machen.