Cyber Rassismus
Auf der Seite 419eater.com wird mit Verhaltensregeln versucht, sich von Rassismus abzugrenzen.
Die Konversationen, die Scambaiter mit Scammern führen, sind jedoch von rassitischen Vorurteilen durchsetzt.
Zum Teil wird in diesen Gesprächen Erpressung und körperliche Gewalt durch die Scambaiter erzeugt. In einem E-Mail-Verkehr fordert ein Scambaiter einen Scammer auf, sich zu tätowieren. Im Allgemein ist auf rassitische Sprache zu verweisen.
Deutlich zeigt sich diese am Begriff des Nigerian Scam. Die Ausweisung von Nigerianern_innen als Internet-Betrüger_innen und die Förderung dieser negativen Wahrnehmung durch die Mainstream-Medien ist eine Manifestierung dessen, was
amerikanische Soziolog_innen wie Jessie Daniels als Cyber-Rassismus bezeichnen.
Der Begriff wurde ursprünglich von Les Back im Jahr 2002 in Bezug auf die Manifestierung rassistischer Rhetorik auf Websites geprägt, wurde jedoch von Jessie
Daniels und ihren Kollegen auf die Praxis des Scambaiting im Internet angewandt.

Daniels meint dazu, dass alte Formen des offenen Rassismus jetzt neben neu entstehenden Formen des Cyber-Rassismus existieren. Eine dieser neuen Formen des Cyber-Rassismus ist das Phänomen, dass weiße Amerikaner_innen nigerianische E-Mail-Betrüger_innen nach eigenem Ermessen bestrafen, eine Praxis, die als Scambaiting bekannt ist und mit der ich mich im oberen Teil auseinandergesetzt habe.

Aus einer rein wissenschaftlichen soziologischen Perspektive ist Rassismus die einzig gültige Definition einer Situation, in der 66 Prozent der Internet-Betrügereien für die USA ausgehen, aber nur
Nigerianer_innen als internationale Betrüger identifiziert und regelmäßig im Internet an den Pranger gestellt, geködert und gelyncht werden, basierend auf Annahmen über die Gültigkeit dieser Wahrnehmung.

Fiktionen werden genutzt, um Authenzität aufzubauen.

Die kulturelle und örtliche Entfernung spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Als Reaktion auf diese Scams gründen Menschen zahlreiche Online-Foren. In diesen tauschen sich betroffene Personen über ihrer Betrugserfahrungen aus. Einige von diesen Personen schließen sich als sogenannte Scambaiter zusammen. Sie machen es sich zur Aufgabe, gegen diese Betrugsmaschen vorzugehen und Scammer mit ihren eigenen Mitteln im digitalen Raum zu begegnen.

In einer Form von Rollenspielen versuchen diese Personen, die Scammer an sich zu binden. Sie beantworten die Scam-E-Mails und geben sich als leichtes Ziel aus. Dieser Nachrichten-Austausch zielt darauf ab, möglichst viel Zeit der Scammer zu vergeuden. Die meisten dieser Betrüger_innen mit Standort in Nigeria operieren aus Internet-Café heraus.

Sie nutzen die öffentlich zugänglichen Internetverbindungen, um ihre digitalen Spuren zu verwischen. Die Scambaiter beabsichtigen, die Scammer auszutricksen und sie zu unterschiedlichen, teils perversen und moralisch fragwürdigen Aktionen zu bringen. Diese Rollenspiele können sehr grausam sein.

Die Grenzen von Gutgläubigkeit, Missbrauch, Macht und Dominanz verwischen und verschmelzen. Es entsteht eine seltsame Verbindung zwischen diesen Personengruppen, die die Rollen der Scammer und der Scambaiter vertauscht, mischt und negiert.
Meist können solche Glaubwürdigkeitstests mit einem Dokument, das der Scammer ausfüllen muss, beginnen. Es folgen spezifische Aufforderung, Dinge zu tun, Gegenstände herzustellen, einer Religion beizutreten oder sich tätowieren zu lassen.

Im Online-Forum gibt es zahlreiche solcher E-Mail Verläufe nachzulesen. Diese verschiedenen Geschichten und die darin gesammelten Medien (Videos, Fotografien, Gemälde, Skulpturen und Performances) werden als Gewinn gesehen und in einem Trophäenraum04 ausgestellt. Beim Betrachten dieses Trophäenraums fühlt man sich an ein virtuelles Museum erinnert.
Die abgebildeten Konversationen zwischen diesen Personengruppen werden als Zeitzeugnisse mit aufgelistet. Die Scambaiter schreiben meist dazu eine kurze Zusammenfassung und ihre jeweiligen moralisch fragwürdigen Absichten in den Gesprächen mit den Scammern.
Es entstehen Dokumente, Briefromane und neue literarische Erzählstrukturen, die ein Licht auf die beteiligten Personen werfen.